Paartherapie in Karlsruhe. Wie Lust auf zwei Wegen entstehen kann, die beide normal sind
Lust entsteht nicht bei allen Menschen auf demselben Weg. Bei manchen ist sie zuerst da, bei anderen entsteht sie erst unterwegs. Beides ist normal.
Viele Paare geraten unter Druck, weil sie nur einen dieser Wege für den richtigen halten. Dieses Modell stellt beide Sichtweisen nebeneinander und lädt dazu ein, als Paar ohne Schuldzuweisungen ins Gespräch zu kommen.
Das klassische Bild: erst Lust, dann Sex

Im klassischen Modell steht die Lust am Anfang: Man verspürt Verlangen, wird erregt, erlebt möglicherweise einen Höhepunkt und entspannt sich anschließend. Dieses Modell wurde durch die Arbeiten von William Masters und Virginia Johnson sowie Helen Kaplan geprägt.
Viele Menschen erleben spontane Lust tatsächlich so – etwa am Anfang einer Beziehung, nach einer Trennung oder durch einen Gedanken, einen Blick oder eine Fantasie. Wenn das Verlangen jedoch ausbleibt, kann nach diesem Bild der Weg zur Sexualität scheinbar gar nicht beginnen.
In der Paartherapie verstehen: Lust als Ergebnis von Verbindung
Im zirkulären Modell muss Lust nicht am Anfang stehen. Sie kann als Antwort auf Nähe und Berührung entstehen. Rosemary Basson beschrieb dieses Modell besonders im Zusammenhang mit länger bestehenden Beziehungen.
Der Weg kann bei einer neutralen Stimmung beginnen: Es ist noch keine Lust da, aber auch keine Ablehnung. Ein Wunsch nach Verbundenheit, Zuwendung oder gegenseitiger Freude kann Offenheit für Nähe entstehen lassen. Berührung, ein guter Rahmen und angenehme Reize können dann Erregung auslösen. Erst daraus entwickelt sich reaktive Lust, die sich mit der Erregung gegenseitig verstärkt.
Müdigkeit, Sorgen, Streit oder Ablenkung können diesen Prozess bremsen. Ruhe, Geborgenheit und ausreichend Zeit können ihn erleichtern. Zufriedenheit – mit oder ohne Höhepunkt – kann den Wunsch nach Nähe beim nächsten Mal stärken.

Fehlende spontane Lust ist nicht automatisch eine Störung
Die zentrale Aussage lautet: Wenn spontane Lust fehlt, bedeutet das für sich genommen nicht, dass etwas mit Ihnen nicht stimmt. Entscheidend ist, ob unter passenden Bedingungen Lust entstehen darf.

Beide Wege im Vergleich
Beim klassischen Weg steht das Verlangen am Anfang. Typisch sind Verliebtheit, Wiedersehen oder Fantasie. Hilfreich können Anziehung, Neues und ein Funke sein.
Beim zirkulären Weg beginnen Nähe, Neugier oder Bereitschaft. Die Lust entsteht unterwegs, häufig in längeren Beziehungen und im Alltag. Zeit zu zweit, Geborgenheit und ein guter Rahmen können dabei helfen.
Viele Menschen kennen beide Wege – abhängig von Lebensphase, Beziehung und Situation. Die Frage ist daher selten, welcher Weg richtig ist, sondern welcher gerade trägt.
Ein Frauen- und ein Männermodell?
Nein, nicht im strengen Sinn. Basson beschrieb ihr Modell ursprünglich für Frauen, doch reaktive Lust gibt es auch bei Männern und spontane Lust auch bei Frauen. Forschungsergebnisse zeigen, dass Beziehungslänge und Alltag bei vielen Menschen das Gewicht von spontaner zu reaktiver Lust verschieben können – unabhängig vom Geschlecht.
Fragen für Paare
Diese Fragen sind eine Einladung, kein Test. Es gibt keine richtigen Antworten:
• Welcher Weg kommt Ihnen bekannter vor? Hat sich das im Lauf Ihrer Beziehung verändert?
• Was hilft Ihnen, offen für Berührung zu werden? Was bremst Sie?
• Woran merken Sie, dass Sie sich als Paar verbunden fühlen?
• Was würde sich ändern, wenn ein „Gerade keine Lust“ nicht mehr als Ablehnung gelesen würde?
Wenn Sie sich in diesem Artikel wiedererkennen und Ihr Muster gemeinsam anschauen möchten, melden Sie sich gern für ein unverbindliches Erstgespräch.
Sönke Haas – Systemischer Paar- und Familientherapeut (DGSF)

Als systemischer Berater in Karlsruhe konzentriere ich mich auf die Unterstützung von Paaren durch Paartherapie und für Einzelpersonen mit Coaching. Mein Ansatz basiert auf der systemischen Betrachtung von Problemen, die ich nicht als individuelle Defizite, sondern als Ergebnisse der Bedingungen im sozialen Kontext eines Menschen sehe.
Dies umfasst das größere System um die Beziehung, einschließlich Familie und berufliches Umfeld. Als zertifizierter systemischer Familientherapeut und Berater biete ich Paartherapie und Coaching an, die auf einer tiefgehenden Analyse, Ressourcenorientierung und individuellen Herangehensweisen basiert. Mein Ziel ist es, Paaren und Einzelpersonen zu helfen, neue Perspektiven zu entdecken und ihre Situation zu verbessern. Ich glaube an das Potenzial jedes Paares, jeder Person, Konflikte zu überwinden und eine neue Perspektive zu entwickeln.
Quellen und Lesetipps
Basson, R. (2000): The female sexual response: a different model. Journal of Sex & Marital Therapy, 26, 51–65.
Carvalheira, A., Brotto, L. & Leal, I. (2010); Nowosielski u. a. (2016); Giraldi u. a. (2015).
Zum Weiterlesen: Emily Nagoski, Komm, wie du willst; Ann-Marlene Henning, Make More Love.



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